Ich habe gerade meine Silvesterpredigt fertig geschrieben. Irgendwie fasst sie viel von dem zusammen, was mich persönlich gerade beschäftigt. Falls das hier jemand liest, der vorhat morgen (am 31.12. ab 18.00 Uhr) im TGZ zu sein, an den habe ich eine Bitte: Schrei nicht dazwischen und rufe: “Die kenn’ ich schon. Die hab ich im Internet gelesen.” Hör’ einfach auf, hier weiterzulesen und hör’ morgen in Ruhe zu.
Den ein oder anderen Gedanken habe ich von Max Lucado übernommen, der ein geniales Buch über den Römerbrief geschrieben hat (Weil Gott dich trägt). Wer noch nicht weiß, was er im Januar lesen soll, das Buch kann ich wirklich empfehlen.
Wer noch ein paar Verbesserungsvorschläge hat - her damit.
Also, los geht es.
Kurz bevor das neue Jahr beginnt, sind sie wieder da. Die Fragen. Wie wird es werden? Was wird sein? Wird das Jahr 2010 ein gutes oder ein schlechtes Jahr?
Die Regierung hat uns versprochen, dass wir alle etwas mehr Geld auf dem Konto haben werden, aber die Frage bleibt, ob sie es auch wirklich finanzieren können, ohne dass wir hintenherum wieder selber dazu zahlen müssen. Die Talsohle der Wirtschaftskrise scheint erreicht, aber die Frage bleibt, ob wirklich jeder Betrieb den Aufstieg schafft oder ob nicht doch noch ein paar auf der Strecke bleiben.
Schnell tauchen auf viel intimere Fragen auf: Werde ich auch nach der Probezeit in der Firma sein? Wie wird es meinen Kindern Ende nächsten Jahres gehen? Klappt der Sprung aufs Gymnasium? Wie wird es in meiner Ehe weitergehen? Und wie wird meine Beziehung zu Jesus sein? Werde ich seine Hand wieder fester greifen oder endgültig loslassen? Und wird er noch an mir festhalten?
Paulus hat vor 2000 Jahren auch ein paar Fragen gestellt - und beantwortet. Allerdings saß er damals nicht in einem Silvestergottesdienst, sondern er hatte gerade die ersten Kapitel in seinem Brief an die Römer fertig geschrieben. Und man spürt beim Lesen, wie sehr er hier noch einmal über die Gnade und die Liebe Gottes gestaunt hat. Nun stellt er fünf Fragen. die er wie ein Silvesterfeuerwerk abschießt. Nicht als Testfragen, ob wir ihm bisher auch wirklich zugehört haben, sondern um uns noch mehr ins Staunen zu versetzen. Seine Fragen sind nicht neu. Es sind die Fragen, die wir uns auch immer wieder stellen. Nur auf dem Hintergrund des Römerbriefes erscheinen sie mit einem Mal in einem ganz anderen Licht. Erstaunlich einfach.
Text: Römer 8,31-39
31 Was können wir jetzt noch sagen, nachdem wir uns das alles vor Augen gehalten haben40? Gott ist für uns; wer kann uns da noch etwas anhaben41?32 Er hat ja nicht einmal seinen eigenen Sohn verschont, sondern hat ihn für uns alle hergegeben. Wird uns dann zusammen mit seinem Sohn nicht auch alles andere geschenkt werden?42 33 Wer wird es noch wagen, Anklage gegen die zu erheben, die Gott erwählt hat? Gott selbst erklärt sie ja für gerecht.43 34 Ist da noch jemand, der sie verurteilen könnte? Jesus Christus ist doch ´für sie` gestorben44, mehr noch: Er ist auferweckt worden, und er ´sitzt` an Gottes rechter Seite und tritt für uns ein. 35 Was kann uns da noch von Christus und seiner Liebe trennen?45 Not? Angst? Verfolgung? Hunger? Entbehrungen46? Lebensgefahr? Das Schwert ´des Henkers`? 36 ´Mit all dem müssen wir rechnen,` denn es heißt in der Schrift:»Deinetwegen sind wir ständig vom Tod bedroht47; man behandelt uns wie Schafe, die zum Schlachten bestimmt sind.«48 37 Und doch: In all dem tragen wir einen überwältigenden Sieg davon durch den, der uns ´so sehr` geliebt hat. 38 Ja, ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch ´unsichtbare` Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch ´gottfeindliche` Kräfte49, 39 weder Hohes noch Tiefes, noch sonst irgendetwas in der ganzen Schöpfung uns je von der Liebe Gottes trennen kann, die uns geschenkt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.
1. Die Frage nach dem Schutz
Die erste Frage ist die Frage danach, wer auf uns aufpasst im kommenden Jahr. Wichtig ist, dass wir Paulus hier wirklich zuhören. Er fragt nicht nur: Wer kann uns noch etwas anhaben? Da gibt es genug, die hier die Hand heben und fett grinsend sagen: „Ich kann dir etwas anhaben. Ich kann dein Leben zerstören. Ich, die Krankheit. Ich deine Sucht, die dich gefangen hält, auch wenn es sonst niemand mitbekommt. Warte nur ab, bald werden sie es alle erfahren. Ich, die Diagnose kann dir auch etwas anhaben. Oh es gibt genug, die uns etwas anhaben können. Würde Paulus nur nach unseren Feinden fragen, dann würden viele „Hier“ schreien. Aber bevor er nach den Feinden fragt, schreibt er vier Wörter auf, die alles verändern.
Gott ist für uns.
In seinem genialen Buch: Weil Gott dich trägt fordert Max Lucado seine Leser dazu auf, diese vier Wörter viermal hintereinander zu lesen und jedes Mal die Betonung auf ein anderes Wort zu legen.
Gott ist für uns.
Gott ist für uns.
Gott ist für uns.
Gott ist für uns.
Gott
ist für uns. Es ist der Schöpfer des Universums. Der Heilige, der, vor dem Engel auf die Knie fallen und berufene Propheten davon ausgehen, im nächsten Moment pulverisiert zu werden. Es ist der Gott, der Naturgesetze erlässt und die Erde anhalten kann. Dieser Gott ist für dich.
Gott ist
für uns. Nicht vielleicht. nicht dann, wenn wir alles richtig gemacht haben. Nicht morgen, sondern heute. Seine Treue wächst nicht, wenn du im kommenden Jahr besser wirst, weil die bereits heute vollkommen ist.
Gott ist für
uns. Max Lucado schreibt: „Schauen sie auf die Zuschauertribüne. Dort sitzt Gott und feuert sie an. An der Ziellinie klatscht er ihnen Beifall. Es ist Gott, der ihren Namen ruft. Zu müde, um weiterzulaufen? Er wird sie tragen. Zu entmutigt zum Kampf? Er richtet sie auf! Gott ist für Sie.“
Gott ist für uns.
Liebe nimmt Gott persönlich. Für ihn sind wir keine unbekannten Nummern, sondern sein Volk. Das Volk, das er in seine Hände gezeichnet hat, damit er uns immer vor Augen hat. Der Gott, der dich beim Namen kennt, der genau weiß, wie viele Haare du auf dem Kopf hast. Der für dich gestorben ist und es vermutlich immer wieder tun würde, wenn es nötig wäre.
Dieser Gott ist für uns. Das katapultiert unsere Feinde nicht ins Jenseits, aber sie verlieren viel von ihrem Schrecken, weil der Gott, der hinter uns steht, immer noch größer ist als alles, was sich uns im kommenden Jahr in den Weg stellen kann.
Selbst wenn die Hölle 2010 einen Frontalangriff auf dein Leben planen sollte, bist du immer noch sicher, weil Gott für dich ist.
Die nächste Frage, ist die Frage nach der Versorgung.
2. Die Frage nach der Versorgung.
s. Vers 32
Es gibt eine Sache, die können viele Menschen richtig gut. Okay, es gibt ein paar, die sind auf diesem Gebiet echte Stümper, aber es gibt auch sehr viele Profis. Ich bin einer von ihnen und ich bin mir sicher, ich bin in diesem Raum nicht der Einzige. Wir können es richtig gut: Uns Sorgen machen.
Wir machen uns Sorgen, ob das Geld reicht und wenn ja, ob der Euro noch sicher ist. Wir sorgen uns um unsere Gesundheit und wenn die Untersuchungsergebnisse gut sind, dann sorgen wir uns darum, ob wir dem Arzt wirklich trauen können.
Wir sorgen uns darum, was die Nachbarn reden, wenn wir in Badehose durch den Garten laufen oder was die Katze denkt, wenn wir aus der Dusche steigen. Wir machen uns darüber Sorgen, ob fettarmer Joghurt nicht doch krebserregend ist und ob unser Haus wirklich gegen Angriffe aus dem Weltall versichert ist.
Paulus ist gemein. Statt uns in unserem Sorgen zu unterstützen und mit uns zu jammern, bremst er uns hier aus.
„Wird er uns zusammen mit seinem Sohn nicht auch alles andere geschenkt werden?“
Es ist so, als will er uns hier sagen: „Jetzt mal ehrlich. Glaubst du wirklich, dass Gott seinen Sohn an ein Holz nageln lässt, das er ihn leiden uns sterben lässt, um so dein Leben zu retten, der für dich kämpft, um dein Leben zu retten, um dich dann einfach mittendrin aufzugeben? Schau dir einmal genau an, was für einen Preis Gott für dein Leben bezahlt hat. Schau dir genau an, was er alles für dich getan hat. Kapier doch endlich, dass er bereit war, für dich seinen Thron gegen ein Grab einzutauschen. Du kannst dir sicher sein, dass du es ihm wirklich wert bist, dass er auch 2010 auf dich aufpassen und dich versorgen wird.“
Dann kommen zwei Fragen, die zusammengehören. Es ist sind die Fragen zu unserer Schuld und Gnade.
3. Die Frage zu Schuld und 4. zu Gnade
s. Verse 33 und 34
Steven Cole war es, der als erster die Geschichte von dem Jungen erzählt hat, der mit seiner Steinschleuder das Schießen geübt hat. Egal, wie er es auch anstellte, er traf nie richtig.
Aber einmal war er für ein paar Tage zusammen mit seiner Schwester bei seiner Oma und übte im Garten wieder das Schießen. Plötzlich tauchte die Lieblingsente von Oma auf und weil er ein Junge war, juckte es ihn in den Fingern. Er zielte auf das Tier und schoss. Zum ersten Mal in seiner Karriere als Schleuderscharfschütze traf er genau ins Schwarze. Die Ente fiel um und war auf der Stelle tot. In seiner Panik versteckte er das Tier hinter einem Holzstapel. Er hoffte, dass niemand mitbekommen hatte, was er getan hatte, aber als er als er wieder aufsah, schaute er in das hämisch grinsende Gesicht seiner Schwester. Sie hatte alles beobachtet.
Nach dem Mittagessen wurde sie von der Oma gebeten, beim Abwaschen zu helfen, aber sie sagte: „Nein, Johannes hat mir gesagt, dass er das machen will“ Dann flüsterte sie ihm ins Ohr: „Denk an die Ente.“ Also spülte Johannes das Geschirr. Und auch das, was nach dem Abendessen anfiel und das am nächsten Tag und das am darauf folgenden Tag. Er stand die nächsten Tage sehr oft am Waschbecken, während seine Schwester im Garten spielte. Und immer wieder flüsterte sie: „Denk an die Ente.“
Irgendwann aber hatte er das Spülen so satt, dass er bereit war, lieber für die Ente bestraft zu werden, als noch einen weiteren Teller abzuspülen. und so beichtete er seiner Oma alles. Er gestand ihr, dass er die Ente getötet hatte. Am Ende sah sie ihn liebevoll an und sagte: „ich weiß Johannes. ich stand am Küchenfenster und habe alles gesehen – und ich habe dir längst vergeben. Ich habe mich nur gefragt, wie lange du dich noch von Sabrina zum Sklaven machen lässt.“
Er war schon längst frei von seiner Schuld, aber er sah das nicht, weil er immer noch mehr auf seine Anklägerin gehört hat, als auf seien Oma. Auch wir werden immer wieder angeklagt. Ma legt uns Habgier, schlechte Laune, Gefühle, die wir nicht kontrollieren und was weiß ich zur Last – und jeder Anklagepunkt stimmt. Der Teufel merkt jeden unserer Fehler und freut sich darüber – und manchmal ist er es, der uns an unsere toten Enten erinnert, manchmal brauchen wir ihn nicht dafür, weil wir uns selber schon gut genug quälen. Und vielleicht hängt dir deine Sabrina gerade im Nacken und flüstert dir zu: Denk an die Ente. Vergiss deine Fehler nicht. Vergiss 2010 nicht, was du alles 2009 und davor verbockt hast. Vergiss nicht und sei bereit, auch im kommenden Jahr dafür zu leiden.“ Und wir hören ihm zu und wir lassen uns von ihm zum Sklaven machen. Wir gehorchen ihm, wenn er uns befiehlt, dass wir uns wertlos und ungeliebt fühlen sollen. Wir gehen auf seinen Vorschlag ein, durch Leistung Gott und uns selber zu beweisen, dass wir besser sein können, nur damit er dann über uns lachen kann, wenn wir es wieder nicht geschafft haben.
Aber der Richter des Lebens sieht uns mit ganz anderen Augen. Gott sagt: Der Sünde Sold ist der Tod, aber in deinem Fall ist der Tod bereits geschehen. Denn für dich starb Jesus. Darum bist du frei von deiner Schuld und dir ist vergeben. Vergiss die Enten, an die du gerade denken musst.
Weil dich der Richter freigesprochen hat, kannst du befreit in das neue Jahr gehen.
5. Die Frage nach der Stabilität
s. Vers 35
Wie stabil ist Gottes Liebe zu uns oder gibt es nicht doch etwas, was stark genug ist, um sie wieder kaputt zu machen? Ist sie wirklich stark genug, um auch dann zu mir durchzudringen, wenn ich es wieder einmal verbockt habe? Liebet Gott mich auch dann, wenn ich ihm wieder und wieder den Rücken zuwende? Hält seine Treue, wenn ich meine Zunge und meine Gefühle nicht mehr kontrollieren kann? Bin ich diese Woche nicht doch zu weit gegangen? Habe ich nicht genug falsch gemacht, um endlich die Quittung zu kassieren, in dem ich im kommenden Jahr ohne Gott dastehen werde? Ist seien Liebe auch dann noch lebendig, wenn ich andere Dinge wichtiger nehme?
Diese Frage laut zu stellen, kann Angst machen, denn man muss gar nicht einmal ein großer Halunke sein, um genug Gründe zu liefern, dass Gott mit seiner Geduld endlich am Ende ist. Könnten wir Gott nicht verstehen, wenn er nicht endlich einmal mit dem Kopf schütteln würde, um sich dann von uns abzuwenden und zu sagen: „Es hat einfach keinen Sinn. ich habe alles versucht, aber sie wollen einfach nicht. Ich will mir meine Heiligkeit nicht länger von ihnen beschmutzen lassen lassen. Ich sehe es nicht ein, dass sie mich noch länger für ihre Ziele missbrauchen. Sie haben den Bogen einfach überspannt.“
Würden wir Gott nicht verstehen, wenn er so reden würde?
Und wenn wir es nicht selber sind, die unsere Beziehung zu Gott zerstören, sind dann nicht noch genug andere Dinge da, die einen Keil zwischen uns und ihm treiben können? Können andere Menschen unseren Kontakt nicht ganz leicht zu Gott zerstören? Reichen nicht bestimmte Umstände aus, um uns von Gott zu trennen? Ist Gottes Liebe wirklich stark genug, um die nächsten 365 Tage zu halten? Oder sollten wir nicht wirklich Angst vor dem haben, was auf uns zu kommt?
Wie stabil ist seine Liebe?
Vielleicht wollen wir die Antwort gar nicht wissen, weil wir Angst haben, dass sie genauso unsicher ist, wie wir es manchmal fühlen oder empfinden. Vielleicht fürchten wir uns vor einer klaren Antwort, so wie ein Student vor den Prüfungsergebnissen nach einer schweren Klausur.
Aber es bricht aus Paulus heraus. Er kann und er will die Antwort nicht zurückhalten. Er schreit es in die Silvesternacht. Er schreit es so laut er kann in jedes Krankenzimmer, in jede Folterzelle, in jeden Hochsicherheitstrakt und in jeden Raum hinein, in dem wir sitzen und uns unsere Sorgen machen. Er will, dass wir es verstehen. Das ist ihm wirklich wichtig.
Er schreibt:
Ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch ´unsichtbare` Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch ´gottfeindliche` Kräfte49, 39 weder Hohes noch Tiefes, noch sonst irgendetwas in der ganzen Schöpfung uns je von der Liebe Gottes trennen kann, die uns geschenkt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.
Du willst wissen, ob 2010 für dich sicher ist? Du willst wissen, wie sehr Gott dich liebt? Du willst sehen, wie weit Gott für dich gehen würde und wie stabil seine Liebe zu dir im kommenden Jahr sein wird?
Die Antwort darauf findest du nicht in irgendwelchen Büchern oder im Fernsehen. Nicht beim Bleigießen und auch nicht in guten Vorträgen von Trendforschern. Die Antwort darauf findest du auf der Müllkippe vor Jerusalem. Dort hing und starb für dich dein Schöpfer und Gott. Von Menschen verlacht, angespuckt und gedemütigt, blutend und leidend, um dich ein für alle mal für sich zu gewinnen.
Wenn du dieses Bild, das du dort siehst, verstanden hast, dann weißt du, dass es keinen Grund mehr gibt, sich im Blick auf 2010 Sorgen zu machen. Egal was kommt.