Endlich da!
Wir schreiben das Jahr 1994. Zum ersten Mal höre ich davon, dass es bald eine neue Bibelübersetzung geben wird: die Neue Genfer Übersetzung. Ein fittes Team hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine wortgetreue Übersetzung in einem gut verständlichen Deutsch zu erstellen. Ich beschließe, nur die Printausgabe zu odern, da ich bezweifle, dass die Hörausgabe das zweite Kriterium im Blick auf das G in NGÜ wirklich erfüllen wird.
Eine Nachfrage beim ortsansässigen Buchhändler erzeugt nur Achselzucken. Arno weiß von nichts. Ich beschließe zu warten.
Die Sommer ziehen ins Land. Die HFA-NT erscheint, ein paar Jahre später auch als AT, wird revidiert und landet in meinem Regal. Microsoft revidiert Win 3.11, 95, 98, 98SE, ME, 2000, XP, Vista und landet schließlich bei Win 7. Während die Übersetzer der Lutherbibel bei nahezu jeder Revidierung ihren alten Fehlern treu bleiben, schaffen die Jungs von Bill Gates es, immer wieder neue einzuarbeiten. Ich bin genervt und kaufe mir einen Mac.
Irgendwann fällt mir der Römerbrief der NGÜ in die Hand. Ich bin begeistert und will mehr. Nicht viel passiert.
Dreyer wirft seine Volkbibel-NT auf den Markt, bekommt dafür mächtig viel Haue, aber auch viele Fans. Er zuckt mit den Schultern und macht sich ans AT. In einer etwas zähen Sitzung döse ich neben Roland Werner und beobachte, wie er an seiner eigenen Übersetzung strickt, die ein paar Monate als „Das Buch“ das Licht der Buchhandlungen erblicken wird.
Die Jungs aus Genf werfen in der Zwischenzeit wieder ein paar Textbrocken auf den Markt und hoffen vielleicht, dass nur wenige es merken, dass das NT immer noch nicht komplett ist. Ich falle darauf rein, kaufe mir das „NT“, bei dem man das Gefühl nicht los wird, dass Marcion von den Toten auferstanden ist und nun als Übersetzer jobbt. Jedenfalls fehlt die Hälfte.
2008, Dienstag, 8.00 Uhr : Ich hole mein griechisches NT hervor und beschließe, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. 8.03 Uhr. Johannes 1,1.2 stehen. Der Text erinnert stark an eine Mischung aus Luther 84 und HFA. Ich koche Kaffee, begrabe mein Projekt und hoffe weiter.
Michael Jackson beschließt, noch einmal sein Leben zu revidieren, verlässt aber vorzeitig die Bühne.
Plötzlich geht alles ganz schnell: Eva Jung postet bei Facebook, dass sie gerade den Umschlag für ein NT erstellt. Ich werde nervös und meine Hoffnung bestätigt sich: Sie arbeitet an der NGÜ. Go sister!
Amazon zeigt mich wegen Stalkings an, aber ich bleibe hart. Endlich wird meine Bestellung akzeptiert. Noch vier Wochen. 3,2,1 …. meins - fast. Irgendein Witzbold spielt mit meinen Nerven und teilt mir mit, dass sie den voraussichtlichen Liefertermin nicht einhalten können. Ich überlege, mich krank zu melden. Ein paar Stunden später bekomme ich eine Versandbestätigung. Ich kann darüber gar nicht lachen.
Es ist Freitag. DHL muss gleich an meinem Büro vorbeikommen, aber ich muss los - zum Schwimmen mit Noemi. Schwimmen können wird eindeutig überbewertet. In der Zwischenzeit landet die wertvolle Fracht in meinem Dienstbriefkasten und friert sich übers Wochenende das Lesezeichen ab.
Sonntag. Tag der Auferstehung. Das Wetter macht auf Endzeit, aber in meinem Herzen scheint die Sonne. Auf dem Weg zum Gottesdienst öffne ich die weiße Schatztruhe neben dem Haupteingang zum TGZ. Endlich. Nach 15 Jahren halten wir uns in den Armen. Wir sind vereint. Das Warte hat ein Ende.
Wie willst du nur überleben, bis das AT rauskommt?
Wer braucht das AT?
@Tobi Ich weiß, das Warten geht weiter … Ich bin jung. der Tag wird kommen …
@Matze: ICH. Ausserdem bin ich dafür, dass du mal über einen AT-Text im Sudhaus predigst - soll ich dir meins leihen?